Frohe Weihnachten! Oder wie man hier im „hohen Norden“ sagt: ‚Gud Jul!‘
Der Tag begann damit, dass wir alle etwas wenig Schlaf aus der letzten Nacht bekommen haben, die Ursachen dafür wurden ja schon an anderer Stelle beschrieben. Umso mehr war es ein zunächst verwirrendes Gefühl als der Wecker „Mitten in der Nacht“ zu klingeln schien. Aber bei den Lichtverhältnissen zu dieser Jahreszeit verliert dieser Ausdruck sowieso ein wenig seine Aussagekraft…
Letztlich haben wir uns dann doch alle aus unseren ‚Soveplasser‘ geschält und teilweise noch nicht ganz munter an den Frühstückstisch gesetzt. Wir hatten nämlich einen Termin. Denn, wie sollte es auch anders sein, um 11 Uhr gab es den Weihnachtsgottedienst in der Harstad Kirke. Diesmal war der Chor auch dabei, was eine vorherige Probe mit allen Beteiligten obligatorisch machte.
Dann war es soweit. Das Geläut verklang und schon begannen sich die Stimmen der Sänger:innen zu erheben um das Präludium zum Klingen zu bringen, während unten im Kirchsaal die Küsterin mit dem Pfarrer einzog.
Der Gottesdienstes war so, wie man es aus dem mitteleuropäischen Raum kennt. Kleinere Abweichungen gibt es an der ein oder anderen Stelle dennoch, aber wo gibt es die nicht? Das Besondere an diesem Gottesdienst war in meinen Augen ‚Dåpen‘, die Taufe einer Konfirmandin. Wie besonders das wohl sein muss, am ersten Weihnachtsfeiertag getauft zu werden?
Es folgte viel Musik mit unterschiedlichen Besetzungen, Gesprochenes, was für mich nur sehr bruchstückhaft zu verstehen war, und ein Abendmahl. Spannend war es, der Gemeinde bzw. dem Chor bei der Aussprache der Lieder zuzuhören und dadurch etwas von der Sprachmelodie in Kombination mit dem Schriftbild des Norwegischen zu lernen. Nach ca. 90 Minuten war alles vorbei.
Dann folgte der wirklich schöne Teil des Tages. Da die Zeit doch schon gut vorangeschritten war, mussten wir uns beeilen um wenigstens ein bisschen des raren Tageslichts nutzen zu können. Obwohl es sich für mich so anfühlt als ob man schon merken könne, dass die Tage wieder etwas länger werden. Vielleicht ist aber auch Einbildung ja wirklich eine Bildung?
Eilend machten wir uns auf den Weg den Ausflug von vor ein paar Tagen mehr oder weniger zu wiederholen. Um zu verstehen wie dieser sich abgespielt hat, muss ich aber ein wenig auf die Wetteraufzeichnungen der letzten Tage eingehen…
Ziemlich genau am heiligen Abend fing es an, dass die Temperaturen deutlich anstiegen. Die meiste Zeit war es über 0°. Dazu kam ergiebiger Regen. Nachts allerdings, also wenn die Uhr sagte, dass es nachts ist und nicht als es dunkel war, fielen die Temperaturen wieder.
Man muss sich also vorstellen: Erst lag viel Schnee, der taute schon leicht bevor wir angekommen sind und fror wieder an. Es gab also schon eine leichte Eisschicht auf dem Schnee. Diese taute durch die „hohen“ Temperaturen, traf auf Regen, fror nachts wieder an. Noch einmal wurde sehr schnell deutlich, wessen Schuhe bei rutschigen/gletschrigen Gegebenheiten am Besten geeignet sind.
Unter diesen Bedingungen machten wir uns auf den Weg ein bisschen spazieren zu … rutschen. Von gehen konnte wirklich keine Rede mehr sein, da das Gehen selbst nur einen Anteil von vielleicht 20% der Fortbewegungsart einnahm.
Sehr zur Freude trug ein von Ph am Vortag gekauftes Accessoire bei. Wir haben es liebevoll „Poporutscher“ getauft. Es handelt sich um ein kleines Plastikbrett auf welches man sich drauf setzt, sich abstößt (am Besten oben auf einer Anhöhe) und dann hofft, sich später nicht in einem Graben, einem Bach oder an einem Baum wiederzufinden. Die Möglichkeiten zu lenken oder zu bremsen sind eher beschränkt. Aber wenn man den Dreh ein bisschen raus hat, macht es doch sehr viel Spaß.
Je nachdem wie sehr man damit beschäftigt war, sich nicht unfreiwillig auf den Boden zu legen, konnte man die schöne Umgebung auf sich wirken lassen. Auch wenn es relativ schnell wieder dunkel wurde, durch den Schnee konnte man sehr lange gut sehen. Gegen Ende, als wir fast wieder am Auto waren, war es dann doch ganz gut, dass der restliche Weg beleuchtet ist.
Wieder zurück am Auto haben wir unseren Hund Floppy (Name kam von der Oma) eingepackt, der auch ohne Leine sehr brav war. (Wer diesen Satz nicht versteht: ist nicht so schlimm. Das ist doch ein wenig kryptisch und von einigen insidern geprägt…)
Der Abend war geprägt von Erschöpfung, Spiel, Blog schreiben, essen, duschen, quatschen und was man noch so alles macht. Und nun möchte ich diesen „Roman“ doch mal beenden, allen Lesenden danken fürs Lesen und eine schöne Zeit bis ins neue Jahr wünschen oder wie man hier sagt: ‚Godt nytt år!‘,
GdÄ
P.S.: Ganz besonders das Liederraten trug zu großer Belustigung bei
