Der Herbst kam recht zügig und brachte verschiedenste Färbungen und Lichteindrücke mit. Noch einmal hellgrüne Wiesen, dunklere Fichtennadeln, gelbe Birken, anderes rotes und braunes Laub, graue Himmel und blaue Himmel und glitzernde Wasserflächen. Manchmal – in den kräftigen Winden – aufgebracht und schäumend. Der Lichteinfall – hin und wieder sogar etwas Sonne – ergab immer wieder neue Perspektiven. Die Konturen der Berge und Wälder schienen ab und an schärfer gezeichnet, manchmal plastischer, manchmal eher wie die Scheiben einer Theaterkulisse.
Ich hatte Besuch: recht spontan war mein G. (d.J.) für ein paar Tage hier. Und nach einem hinsichtlich der Witterung nicht ganz so glücklichen Start (wann ist einem solches hier vergönnt?), konnten wir noch ein paar schöne bis sehr schöne Touren gehen. In dieser Zeit gab es dann auch wieder die ersten stärkeren Polarlichter, am letzten gemeinsamen Abend so stark, wie ich es bislang hier noch nicht gesehen hatte. Zu guter Letzt – nicht ausgedacht – eine Sternschnuppe, wie zum Greifen so nah.
Der Børnhaugen-Platz ist meist von mir allein bewohnt. Ich genieße die Ruhe, blicke mitten in der Nacht in die Sterne, ein Schimmer von Polarlicht zu der einen Seite, ein klarer Mond zur anderen, schräg rüber spiegelt sich alles silbern in der stillen Wasserfläche des Storvatnet.
Es ist mir nicht gelungen, dichtere menschliche Kontakte zu knüpfen. Auch Versuche, im Chor „Vox arctica“ aktiver zu werden und mich mehr einzubringen, waren nicht erfolgreich. Eine Anfrage nach einem Gespräch mit dem Leiter des Chores blieb völlig unbeantwortet, unreflektiert, also vermutlich eben unerwünscht.
Ich bin froh und dankbar, dass sich das Verhältnis zu „meinem“ kleinen Kirchenchor anders darstellt und äußert.
Die Dunkelphase ist nun wieder länger als das Tageslicht. Es wird Zeit für mich, meines Weges zu ziehen. In der nächsten Woche kommt der Flügel wieder in den Wohnwagen, der mir von Ende Mai bis jetzt dort draußen in der Natur ein gutes und sicheres Dach bot. Ich bewege mich gen Süden, habe gut Zeit, um die Wegstrecken gelassen zurückzulegen, wahrzunehmen und gedanklich mich von einem überaus wunderschönen Land zu lösen, einem Erdenstück, dessen menschliche Umgebung mir – bis auf wenige Ausnahmen – zu fremd geblieben ist.

